Wie erkennt man Anzeichen von Depressionen? Sie zeigen sich nicht nur in der Psyche. Viele Betroffene leiden auch unter Kopf- oder Bauchschmerzen ohne klare Ursache. Zeigen sich Depressionen bei Frauen und Männern gleich – oder gibt es Unterschiede?
Eine Depression ist eine psychische Erkrankung und beeinflusst, wie Sie fühlen, denken und handeln. Sie fallen in ein überwältigendes Stimmungstief, das wochen- oder monatelang anhält. Zudem sind Sie hoffnungslos, gefühlstaub und erschöpft. Häufig kommen körperliche Beschwerden hinzu. Die ersten Anzeichen einer Depression entwickeln sich meist schleichend innerhalb von mehreren Wochen oder Monaten, seltener über Nacht oder wenige Tage. Weil die Symptome vielfältig und individuell sind, stellt nur eine Fachperson eine zuverlässige Diagnose. Wenden Sie sich dazu an Ihren Hausarzt oder Ihre Hausärztin.
Die Anzeichen für Depressionen werden in Hauptsymptome und Zusatzsymptome unterteilt.
Hinweis: Es gibt diverse Depressionsarten. Beispiele sind die postpartale Depression sowie die saisonal bedingte Winterdepression. Trotz klarer Unterscheidung haben diese Formen ähnliche Kernsymptome.
Depressionen entwickeln sich aus dem Zusammenwirken mehrerer Einflüsse. Wenn Sie diese Auslöser kennen, sind Sie sensibilisiert. Bei einer frühzeitigen Erkennung kann auch besser entgegengewirkt werden. Die häufigsten Faktoren sind:
Zu den häufigsten Hauptsymptomen gehören:
Weitere Symptome, die Anzeichen für eine Depression sein können:
Frauen erhalten die Diagnose einer Depression doppelt so häufig wie Männer. Dafür sind unter anderem sozioökonomische und biologische Faktoren verantwortlich. Ein weiterer Grund: Je nach Erziehung und kulturellem Hintergrund fällt es Männern schwerer, über psychische Probleme zu sprechen. Das macht es für Fachpersonen herausfordernder, eine Depression zu erkennen. Aus diesem Grund stellen sie diese bei Männern seltener und später fest als bei Frauen. Die Folge: Statistisch nehmen sich mehr Männer das Leben.
Grundsätzlich sind die Symptome einer Depression geschlechtsneutral. Doch es gibt eine Tendenz: Männer gleichen psychische Belastungen anfänglich häufig durch Sport, Arbeit oder Sex aus. Sie reagieren eher gereizt und aggressiv, sei es gegen sich oder auch gegen Mitmenschen. Männer zeigen eher atypische Anzeichen. Frauen entwickeln dagegen tendenziell klassische Symptome wie Schuldgefühle und Niedergeschlagenheit. Aber: Die Symptome variieren auch bei Personen des gleichen Geschlechts stark. So gibt es Männer, die klassische Symptome zeigen, und Frauen, die atypische Beschwerden haben.
Eine Depression kann auch körperliche Symptome auslösen:
Auch Kinder, Jugendliche oder ältere Menschen können unter Depressionen leiden. Das sind sie Anzeichen:
Kleinkinder reagieren schnell gereizt, schlafen schlecht und essen wenig. Spielen interessiert sie kaum noch. Sie wirken müde und ziehen sich zurück. Kann man Depressionen bei Kindern am Gesicht erkennen? Ja, insbesondere bei Kleinkindern fällt ein trauriger, leerer Blick auf.
Schulkinder sprechen eher über ihre Traurigkeit, sind gereizt und weniger leistungsfähig. Körperliche Beschwerden treten auch auf. Ebenso denken Kinder in einigen Fällen mehr über den Tod nach.
Jugendliche: Jugenddepressionen beeinflussen das Selbstwertgefühl und die schulische Leistung ungünstig. Zudem treten die typischen Anzeichen von Depressionen auch bei Teenagern auf.
Depressionen im Alter verursachen auch Symptome einer typischen Depression. So führt die Altersdepression etwa zu Unruhe, fehlendem Antrieb und Appetitverlust.
Wenn Sie sich die Frage «Leide ich an Depressionen?» stellen, liefert ein Test einen ersten Hinweis. Einen solchen Test können Sie zunächst selbst durchführen. Schauen Sie, welche der genannten Symptome auf Sie zutreffen. Bei einer Depression liegen mindestens zwei Hauptsymptome und mindestens zwei Zusatzsymptome über einen Zeitraum von mindestens zwei Wochen vor. Anders ist es bei einem Stimmungstief. Hierbei halten die Symptome nur einige Tage an und es kommen keine weiteren Beschwerden hinzu.
Wichtig: Bei einer vermuteten Depression gibt der Test eine Orientierung. Er ersetzt aber keine Diagnose. Sprechen Sie bei Verdacht auf eine Depression also am besten mit Ihrem Arzt oder Ihrer Ärztin darüber – unabhängig vom Testresultat. Dieses persönliche Gespräch ist entscheidend für die Diagnose und die anschliessende Behandlung.
Die ärztliche Psychotherapie ist von der Grundversicherung gedeckt. Dabei werden bis zu 40 Sitzungen übernommen. Auch die Kosten von selbstständigen Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten werden von der Grundversicherung übernommen, sofern die gesetzlichen Bedingungen dafür erfüllt sind. Vorgesehen sind für diese psychologische Psychotherapie 30 Sitzungen. Es braucht dafür eine ärztliche Verordnung. Diese ist für je maximal 15 Sitzungen gültig. Sollen die ärztliche oder die psychologische Psychotherapie nach den 40 respektive 30 Sitzungen fortgeführt werden, kann dies beantragt werden.
Eine allfällige Kostenübernahme aus der Zusatzversicherung TOP oder COMPLETA prüfen wir gerne, falls die Psychotherapeutin, der Psychotherapeut oder der Leistungsinhalt nicht die Voraussetzungen der Grundversicherung erfüllen.
Wenn Mediziner und Medizinerinnen eine Depression diagnostizieren, teilen sie diese in mehrere Schweregrade ein:
Leichte Depression:
Sie haben mindestens vier Symptome, davon wenigstens zwei Hauptsymptome und zwei Nebensymptome. Sie fühlen sich beeinträchtigt, führen Ihre sozialen, häuslichen und beruflichen Aktivitäten jedoch weiter.
Mittelschwere Depression:
Mindestens fünf Symptome betreffen Sie, darunter zwei Hauptsymptome und drei bis vier weitere Symptome. Sie sind bei einer mittelgradigen Depression aufgrund der Symptome in Ihrem Alltag stark eingeschränkt. Es fällt Ihnen sehr schwer, Ihre Aktivitäten fortzusetzen.
Schwere Depression:
Sie zeigen mindestens sieben Symptome, darunter alle drei Hauptsymptome (depressive Stimmung, Antriebsmangel, Interessenverlust) und mindestens vier weitere körperliche oder psychische Anzeichen. Aktivitäten sind nur begrenzt möglich.
Diese Ausprägungen werden mithilfe verschiedener Depressions-Tests erfasst. Bekannt sind beispielsweise der Hamilton Depression Scale oder das Beck-Depressions-Inventar. Dabei werden die Symptome und der Schweregrad einer Depression einer Skala zugeordnet. Darauf basierend ermittelt die Fachperson eine Punktzahl, welche sie einer bestimmten Ausprägung zuordnet.
Mögliches Warnzeichen einer Depression kann ein verändertes Verhalten der Person sein: Zieht sie sich zurück, ist desinteressiert, leicht reizbar oder auffällig erschöpft?
Auch die Mimik sagt unter Umständen einiges aus. Depressive Menschen haben oft weniger Mimik, ihr Gesicht wirkt beinahe wie versteinert. Kann man Depressionen auch an den Augen erkennen? Zum Teil schon, denn einigen Betroffenen fehlt das bekannte Strahlen in den Augen.
Tipps:
Die Anzeichen für Depressionen sind vielfältig und psychische sowie körperliche Symptome treten oftmals gemeinsam auf. Neben der normalen Depression gibt es weitere Depressionsarten. Die Symptome können sich unterscheiden.
Seien Sie achtsam und empathisch. Bemerken Sie eine anhaltend schlechte Stimmungslage oder bereits eindeutige depressive Symptome bei sich oder einer angehörigen Person, müssen Sie handeln. Zögern Sie nicht, Hilfe anzunehmen oder anzubieten. Besonders, wenn Fachpersonen Depressionen früh erkennen, gibt es viele Behandlungsansätze, etwa mit einer Psychotherapie oder Medikamenten.
Äussert eine betroffene Person Suizidgedanken, wenden Sie sich direkt an den ärztlichen Notdienst. In solch einem akuten Fall von Depressionen ist eine schnelle Behandlung entscheidend.
Unsere Gesundheitsberatung zeigt Ihnen, wie Sie Depressionen anhand der Symptome erkennen, vorbeugen und behandeln können. Wir unterstützen Sie auch bei der Suche anerkannter Therapeuten und Therapeutinnen.
Die Expertin stand dem Redaktionsteam bei diesem Artikel beratend zur Seite. Monika Fäh Rüegg ist Pflegefachfrau HF Psychiatrie, Systemische Mentaltrainerin und hat eine Ausbildung in sinnzentrierter Beratung nach Viktor Frankl. Die Expertin arbeitet im Case Management bei Helsana.
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