Burnout: Symptome erkennen und richtig behandeln

Wie fühlt sich ein Burnout an und wo bekomme ich Hilfe? Welche körperlichen und psychischen Symptome treten auf? Was ist der Unterschied zu einer Depression? Erfahren Sie mehr über Ursachen, Behandlungswege und hilfreiche Tipps gegen Burnout.

12.06.2026 Christine Signer 5 Minuten

Themen im Überblick

Was ist ein Burnout?

Der Begriff Burnout («Ausbrennen») beschreibt einen Zustand tiefer emotionaler, körperlicher und geistiger Erschöpfung. Da Burnout keine eigenständige Erkrankung darstellt, ordnet die Weltgesundheitsorganisation (WHO) es in der Internationalen Klassifikation der Krankheiten (ICD-11) als berufsbezogenes Phänomen ein. Aus medizinischer Sicht gilt Burnout als Risikozustand. Hält der Stress über längere Zeit an und fehlt ausreichende Erholung, drohen psychische und körperliche Folgeerkrankungen. Dazu zählen unter anderem Depressionen, Angststörungen, Schlafstörungen oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Gemäss der Schweizerischen Gesundheitsbefragung des Bundesamtes für Statistik (BFS) hat der Anteil gestresster Erwerbstätiger zwischen 2012 und 2022 von 18 auf 23% zugenommen. 25% der erwerbstätigen Frauen und 21% der Männer erleben an ihrem Arbeitsplatz dauerhaft Stress. Über die Hälfte dieser Personen – rund 53% – fühlt sich dabei emotional erschöpft. Überforderung und anhaltender Stress erhöhen das Risiko für ein Burnout erheblich.

Was sind Anzeichen und Symptome von Burnout?

Die Anzeichen für ein Burnout zeigen sich auf drei verschiedenen Ebenen: Körper, Psyche und geistige Leistungsfähigkeit. Die Betroffenen spüren zuerst körperliche Symptome, sie haben beispielsweise Schlafprobleme, weil die Gedanken nicht zur Ruhe kommen, oder Herzrasen. Diese Warnsignale werden oft verdrängt. Danach kommt die (emotionale) Erschöpfung. Schliesslich folgt der Zusammenbruch. 

Körperliche Symptome eines Burnouts

Chronischer Stress versetzt den Körper in einen dauerhaften Alarmzustand. Die körperlichen Symptome bei einem Burnout sind sehr unterschiedlich. Zu den häufig berichteten körperlichen Beschwerden zählen:

  • Anhaltende Müdigkeit und Erschöpfung: Selbst nach Ruhephasen stellt sich keine spürbare Erholung ein.
  • Schlafstörungen: Ein Burnout geht meist mit Ein- und Durchschlafproblemen einher. Der Schlafmangel verstärkt die Erschöpfung weiter.
  • Magenschmerzen: Bei einem Burnout reagiert auch das Verdauungssystem empfindlich auf Dauerstress. Das führt zu Übelkeit oder Bauchkrämpfen.
  • Herz-Kreislauf-Beschwerden: Chronischer Stress erhöht den Blutdruck und beschleunigt den Herzschlag. Ein Engegefühl in der Brust, Herzrasen oder Brustschmerzen sind mögliche Symptome.
  • Gliederschmerzen: Anhaltende Anspannung führt zu Verspannungen und Schmerzen im Bewegungsapparat. Auch Kopfschmerzen treten bei einem Burnout oft auf.
  • Veränderungen bei Appetit und Gewicht: Dauerstress beeinflusst den Stoffwechsel und das Essverhalten. Gewichtsverlust oder Gewichtszunahme sind bei einem Burnout daher keine Seltenheit.
  • Geschwächte Immunabwehr: Der Körper reagiert auf anhaltende Belastung mit einer erhöhten Anfälligkeit für Infekte.

Psychische Symptome eines Burnouts

Neben körperlichen Beschwerden zeigt sich ein Burnout auch durch Symptome psychischer Erschöpfung. Diese hängen in der Regel vom Stadium der Belastung ab. Zu den häufig berichteten psychischen Beschwerden zählen:

  • Niedergeschlagenheit: Betroffene fühlen sich innerlich leer und dauerhaft überfordert. Freude und Motivation gehen zunehmend verloren.
  • Reizbarkeit und emotionale Labilität: Die Stimmung schwankt stark. Bereits geringe Belastungen lösen Gereiztheit oder Wutausbrüche aus.
  • Ängste und Panik: Ein Burnout kann Angstzustände auslösen. Auch Panikattacken treten im Zusammenhang mit einem Burnout auf.
  • Sozialer Rückzug: Betroffene ziehen sich von Familie, Freunden und Freundinnen sowie Kollegen und Kolleginnen zurück. Kontakte werden als Belastung empfunden.
  • Depersonalisierung: Bei einem fortgeschrittenen Burnout berichten Betroffene von einem Gefühl der Depersonalisierung. Sie erleben sich wie losgelöst vom eigenen Körper oder nehmen die Umgebung als unwirklich wahr.
  • Veränderungen der Sexualität: Chronischer Stress beeinflusst das sexuelle Verlangen und die sexuelle Funktion. Ein Libidoverlust ist bei einem Burnout sowohl bei Männern als auch bei Frauen möglich.
  • Suchtverhalten: Manche Personen greifen vermehrt zu Alkohol, Tabak oder Medikamenten. Dieses Verhalten dient als Bewältigungsstrategie für die innere Anspannung

Kognitive Symptome eines Burnouts

Ein Burnout beeinträchtigt auch die geistige Leistungsfähigkeit. Betroffenen fallen alltägliche Denkprozesse zunehmend schwerer. Die kognitiven Einschränkungen nehmen mit der Dauer der Belastung zu und betreffen verschiedene Bereiche:

  • Verminderte Leistungsfähigkeit: Trotz hoher Anstrengung nimmt die Leistung ab. Das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten schwindet.
  • Konzentrationsprobleme: Betroffene lassen sich leicht ablenken und verlieren bei Aufgaben schnell den Faden. Fokussiertes Arbeiten fällt zunehmend schwer.
  • Vergesslichkeit: Termine, Namen oder Absprachen lassen sich schlechter merken als gewohnt.
  • Entscheidungsschwierigkeiten: Selbst einfache Entscheidungen kosten unverhältnismässig viel Energie. Betroffene schieben Entscheidungen auf oder vermeiden sie ganz.
  • Reduzierte geistige Flexibilität: Das Denken verengt sich. Kreative Lösungsansätze und der Wechsel zwischen verschiedenen Aufgaben gelingen nur noch eingeschränkt.
  • Verändertes Erleben und Verhalten: Angehörige beobachten bei einem Burnout gelegentlich eine Persönlichkeitsveränderung. Betroffene reagieren anders als gewohnt – etwa auffallend gleichgültig, zynisch oder gereizt – und erkennen sich teilweise selbst nicht wieder.

Unterschied Burnout-Symptome bei Männern und Frauen

Die Symptome eines Burnouts betreffen grundsätzlich alle Geschlechter gleichermassen. Dennoch gibt es Unterschiede. Die ersten Anzeichen eines Burnouts bei Frauen werden meistens früher sichtbar, weil Frauen psychische Belastungen tendenziell häufiger ansprechen und eher Hilfe aufsuchen. Bei Männern bleiben die Symptome oft länger unerkannt. Tiefere Belastungswerte bei Männern bedeuten allerdings nicht zwingend eine geringere Belastung.

Verlauf eines Burnouts

Ein Burnout entsteht nicht plötzlich. Es entwickelt sich als schleichender Prozess über Wochen bis Monate. In vielen Fällen werden die ersten Warnsignale ignoriert. Erst mit zunehmender Dauer verfestigen sich die Beschwerden. Der Prozess lässt sich in drei Phasen einteilen:

1. Erhöhte Stressbelastung: Nervosität, Reizbarkeit und Aufmerksamkeitsstörungen prägen den Alltag. Betroffene reagieren überaktiv (arbeiten länger) und zeigen erste vegetative Beschwerden. In dieser Phase bilden sich die Symptome des Burnouts bei längerer Erholung noch vollständig zurück.

2. Leichtes bis mittelschweres Burnout: Die Erschöpfung wird dauerhaft und die Erholungsfähigkeit nimmt deutlich ab. Betroffene ziehen sich sozial zurück, verlieren ihre Motivation und leiden unter anhaltenden Schlaf- und Konzentrationsstörungen.

3. Schweres Burnout mit klinischer Depression: Die Erschöpfung erreicht ein Ausmass, das den Alltag weitgehend einschränkt. Betroffene erleben Freud- und Interessenlosigkeit, ausgeprägte kognitive Einschränkungen und Hoffnungslosigkeit. In diesem Stadium führt ein Burnout häufig zu einem emotionalen Zusammenbruch. Die Symptome ähneln dann einer klinischen Depression. In manchen Fällen treten auch Suizidgedanken auf.

Die Stadien verlaufen nicht immer linear. Rückschritte, Überlappungen oder das Überspringen einzelner Phasen kommen vor. 

Burnout oder Depression?

Die Symptome von Depression und Burnout sind sehr ähnlich. Erschöpfung, Antriebslosigkeit, Schlafprobleme und sozialer Rückzug treten bei beiden auf. Der Unterschied zwischen Burnout und Depression liegt in der Belastungsquelle. Ein Burnout steht in direkter Verbindung mit chronischer Überlastung. Eine Depression betrifft dagegen alle Lebensbereiche und tritt auch ohne erkennbaren äusseren Auslöser auf. Ein unbehandeltes Burnout geht jedoch häufig in eine Depression über. Fachleute sprechen dann von einer Erschöpfungsdepression, deren Anzeichen sich kaum von einem schweren Burnout unterscheiden. Für eine zuverlässige Abgrenzung empfiehlt sich eine ärztliche oder psychotherapeutische Abklärung.

Welche Ursachen hat ein Burnout?

In vielen Fällen entsteht ein Burnout nicht nur durch beruflichen Stress. Meist wirken mehrere Faktoren über längere Zeit zusammen. Fachleute unterscheiden dabei zwischen äusseren Belastungen – etwa am Arbeitsplatz oder im familiären Umfeld – und persönlichen Risikofaktoren, die die Anfälligkeit für ein Burnout erhöhen.

Berufliche und soziale Belastungsfaktoren

Ein Burnout im Arbeitsumfeld entsteht besonders dort, wo ungünstige Arbeitsbedingungen über längere Zeit bestehen. Zu den zentralen äusseren Belastungsfaktoren zählen unter anderem:

  • Zeitdruck und hohe Arbeitsanforderungen: Enge Deadlines, steigende Arbeitsmenge und ständige Erreichbarkeit setzen Erwerbstätige unter anhaltenden Druck. Wer dauerhaft unter hohem Leistungsdruck arbeitet, erschöpft langfristig seine Reserven.
  • Fehlende Wertschätzung und mangelnder Gestaltungsspielraum: Fehlt die Anerkennung für die erbrachte Leistung, sinkt die Motivation. Gleichzeitig erhöht ein geringer Handlungsspielraum das Gefühl von Ohnmacht und Überforderung.
  • Konflikte und Mobbing: Ein belastendes Arbeitsklima zählt zu den stärksten Risikofaktoren. Mobbing am Arbeitsplatz und wiederkehrende Konflikte im Team oder mit Vorgesetzten verstärken die emotionale Belastung erheblich.
  • Fehlende Erholung und Abgrenzung: Wenn die Grenze zwischen Berufs- und Privatleben verschwimmt, fehlt dem Körper die Zeit für die Regeneration.
  • Private und familiäre Belastungen: Beziehungsstress oder Pflegeverantwortung verstärken bestehende berufliche Belastungen zusätzlich.

Persönliche Risikofaktoren

Neben äusseren Belastungen beeinflussen auch individuelle Eigenschaften und Verhaltensmuster, wie anfällig jemand für ein Burnout ist. Bestimmte Persönlichkeitsmerkmale erhöhen die Wahrscheinlichkeit, in eine Erschöpfungsspirale zu geraten. Zu den relevanten persönlichen Risikofaktoren zählen:

  • Perfektionismus: Der ständige Anspruch an fehlerfreie Ergebnisse erzeugt permanenten inneren Druck. Die eigenen Massstäbe liegen dabei häufig weit über dem, was realistisch leistbar ist.
  • Geringes Selbstwertgefühl: Menschen mit wenig Vertrauen in die eigene Kompetenz empfinden Anforderungen schneller als bedrohlich. Sie neigen dazu, sich ständig zu vergleichen und ihre Leistung abzuwerten. Das Gefühl von fehlender Wertschätzung verstärkt diese Wahrnehmung.
  • Starke Fremdorientierung: Die Bedürfnisse anderer stehen konsequent über den eigenen. Langfristig bleibt die eigene Erholung auf der Strecke. Besonders in sozialen und pflegerischen Berufen tritt dieses Muster häufig auf.
  • Fehlende Bewältigungsstrategien: Wer über wenig Resilienz und kaum wirksame Strategien zur Stressbewältigung verfügt, gerät bei anhaltender Belastung schneller an seine Grenzen.
  • Starke Empathie: Menschen, die zu Burnout neigen, spüren, wenn Arbeitskolleginnen oder kollegen bedrückt sind, und tragen diese Last mit. 

Eltern-Burnout (Parental Burn-out)

Burnout entsteht nicht nur im beruflichen Umfeld. Auch dauerhafte Belastung durch Kinderbetreuung, Haushalt oder Pflege von Angehörigen kann zu grosser Erschöpfung führen. Laut der schweizerischen Arbeitskräfteerhebung (SAKE) des BFS verwenden Frauen in der Schweiz rund 61% ihrer gesamten Arbeitszeit für unbezahlte Haus- und Familienarbeit. In Paarhaushalten mit Kindern unter 7 Jahren leisten Mütter durchschnittlich 63 Stunden pro Woche – Väter rund 40 Stunden. Diese ungleiche Verteilung erklärt womöglich, warum gerade Mütter häufig von einem sogenannten «Mama-Burnout» betroffen sind. Die emotionale Erschöpfung bei einem Burnout im familiären Kontext ähnelt dabei dem berufsbezogenen Burnout. Betroffene fühlen sich leer, antriebslos und ihrem Alltag zunehmend entfremdet.

Wenn Sie sich als Elternteil dauerhaft erschöpft fühlen, wenden Sie sich an Ihren Hausarzt oder Ihre Hausärztin. Auch unsere Gesundheitsberatung unterstützt Sie gerne mit einer Beratung rund um das Thema Burnout.

So wird die Burnout-Diagnose gestellt

Ein Burnout erkennen Ärztinnen und Ärzte in der Regel im Rahmen eines ausführlichen Gesprächs. Dabei stehen Fragen zu den aktuellen Beschwerden, zur beruflichen und privaten Situation sowie zur Dauer der Belastung im Mittelpunkt. Ergänzend setzen Fachpersonen bei einem Verdacht auf Burnout einen Stresstest ein – etwa in Form eines Fragebogens. Diese Einschätzung bildet die Grundlage für die weitere Abklärung und eine allfällige Behandlung.

Besonders wichtig ist der Ausschluss anderer Erkrankungen. Viele Burnout-Beschwerden ähneln den Anzeichen einer psychischen Erkrankung wie Depression oder Angststörung. Auch körperliche Ursachen kommen infrage. Neurologische Symptome bei einem Burnout – etwa Schwindel, Konzentrationsstörungen oder Taubheitsgefühle – treten ebenso bei Schilddrüsenerkrankungen oder neurologischen Störungen auf. Eine sorgfältige Differentialdiagnose schützt davor, eine behandelbare Grunderkrankung zu übersehen.

Haben Sie Fragen?

Benötigen Sie weitere Informationen, oder haben Sie Fragen zum Burnout? Unsere Gesundheitsberaterinnen und -berater helfen Ihnen gerne weiter.

Was tun bei einem Burnout?

Die Behandlung eines Burnouts richtet sich nach den individuellen Ursachen und dem Schweregrad der Beschwerden. Je früher Betroffene gegensteuern, desto günstiger verläuft die Erholung. Frühzeitiges Handeln verkürzt den Genesungsprozess und senkt das Risiko für Folgeerkrankungen.


Ein wichtiger erster Schritt ist das Gespräch mit Ihrem Hausarzt oder Ihrer Hausärztin. Dort besprechen Sie Ihre aktuelle Belastungssituation und mögliche Wege aus dem Burnout. In vielen Fällen verschafft eine Krankschreibung den nötigen Abstand zur belastenden Situation. Bei Bedarf erfolgt eine Überweisung an spezialisierte Fachpersonen. Je nach Schweregrad reichen die Massnahmen von selbstwirksamen Strategien im Alltag über ambulante Psychotherapie bis hin zu stationären Behandlungen in spezialisierten Kliniken.

Wer zahlt die Psychotherapie?

Die ärztliche Psychotherapie ist von der Grundversicherung gedeckt. Dabei werden bis zu 40 Sitzungen übernommen. Auch die Kosten von selbstständigen Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten werden von der Grundversicherung übernommen, sofern die gesetzlichen Bedingungen dafür erfüllt sind. Vorgesehen sind für diese psychologische Psychotherapie 30 Sitzungen. Es braucht dafür eine ärztliche Verordnung. Diese ist für je maximal 15 Sitzungen gültig. Sollen die ärztliche oder die psychologische Psychotherapie nach den 40 respektive 30 Sitzungen fortgeführt werden, kann dies beantragt werden. 

Eine allfällige Kostenübernahme aus der Zusatzversicherung TOP oder COMPLETA prüfen wir gerne, falls die Psychotherapeutin, der Psychotherapeut oder der Leistungsinhalt nicht die Voraussetzungen der Grundversicherung erfüllen.

  • TOP

    Ihr Zusatz zur Grundversicherung: Wichtige ambulante Leistungen sind gedeckt.

  • COMPLETA

    Alle Leistungen von TOP und SANA mit teilweise höheren Vergütungen.

Therapie und Coaching bei Burnout

Eine Psychotherapie ist ein zentraler Baustein zur Behandlung eines Burnouts. Je nach individueller Situation kommen verschiedene Verfahren zum Einsatz. Die kognitive Verhaltenstherapie hilft, belastende Denkmuster zu erkennen und neue Bewältigungsstrategien zu entwickeln. Tiefenpsychologische Verfahren setzen hingegen an den zugrunde liegenden Konflikten und biografischen Prägungen an. Ergänzend fliessen oft Elemente der Körpertherapie oder Entspannungsübungen in die Behandlung ein.

Neben der Psychotherapie nutzen viele Betroffene ein Burnout-Coaching als begleitende Massnahme. Ein Coaching unterstützt bei der beruflichen Neuorientierung, der Anpassung des Lebensstils und der Stärkung persönlicher Ressourcen. 

Wichtig: Ein Coaching eignet sich vor allem in frühen Stadien des Burnouts oder als Ergänzung zur Therapie. Bei ausgeprägten psychischen Beschwerden oder Suizidgedanken ersetzt es keine fundierte psychotherapeutische Behandlung.

Stationäre Behandlung

Ein Aufenthalt in einer Klinik ist sinnvoll, wenn ambulante Massnahmen nicht ausreichen oder schwere Begleiterkrankungen vorliegen. Während der stationären Behandlung erhalten Burnout-Betroffene ein strukturiertes Therapieprogramm, das verschiedene Bausteine verbindet. Neben psychotherapeutischen Einzel- und Gruppengesprächen lernen Betroffene dort Verfahren wie progressive Muskelentspannung oder autogenes Training. Auch Bewegungstherapie und kreativtherapeutische Angebote gehören in vielen Einrichtungen zum Behandlungskonzept.


Ergänzend setzen Fachpersonen in manchen Fällen Medikamente bei einem Burnout ein. Diese richten sich nicht gegen das Burnout selbst, sondern gegen begleitende Beschwerden wie Depression oder Schlafstörungen.

Wie lange dauert die Erholung von einem Burnout?

Die Dauer der Therapie ist sehr individuell. Sie hängt vom Schweregrad, von der persönlichen Situation und vom Zeitpunkt der ersten Behandlung ab. Wer trotz eines Burnouts weiterhin arbeiten geht, verhindert die notwendige Erholungsphase. Auch die Regeneration des Gehirns nach einem Burnout – insbesondere von Konzentration und Gedächtnisleistung – braucht Zeit.


Für den Wiedereinstieg ins Berufsleben empfiehlt sich eine schrittweise Eingliederung mit angepasstem Pensum. Die Belastbarkeit und die Anforderungen sollen in kleinen Schritten und langsam gesteigert werden. Nach einem Burnout sind viele Betroffene nicht mehr so belastbar wie zuvor. Das ist normal und kein Zeichen von Versagen. Strukturelle Veränderungen im Berufsalltag und im privaten Umfeld senken das Rückfallrisiko und tragen zu einer stabilen Erholung bei.

Burnout bei ADHS und Autismus

Menschen mit ADHS oder Autismus tragen ein erhöhtes Risiko für ein neurodivergentes Burnout. Bei ADHS begünstigen eine verminderte Stresstoleranz, Reizüberflutung und Schwierigkeiten bei der Selbstregulation die Erschöpfung. Typische ADHS-bedingte Burnout-Symptome wie Konzentrationsverlust, emotionale Überreaktionen und Vergesslichkeit verstärken sich unter Dauerstress deutlich. Hinzu kommt der Energieaufwand für sogenanntes Masking – also das ständige Anpassen an neurotypische Erwartungen.

 

Beim autistischen Burnout unterscheiden sich die Symptome vom klassischen berufsbezogenen Burnout. Betroffene erleben chronische Erschöpfung, einen Verlust zuvor vorhandener Fähigkeiten sowie eine stark reduzierte Reiztoleranz. Die Behandlung eines autistischen Burnouts setzt nicht primär auf klassische Stressbewältigung. Stattdessen stehen die Reduktion von Anpassungsdruck und eine Begleitung, die Neurodivergenz als Teil der Persönlichkeit anerkennt, im Vordergrund.

Burnout langfristig vorbeugen

Da Stress und Burnout eng zusammenhängen, profitieren Sie besonders davon, Belastungen frühzeitig zu erkennen. Die folgenden Strategien unterstützen Sie sowohl bei der Vorbeugung als auch dabei, ein Burnout selbst zu behandeln und Ihre Erholung im Alltag zu stärken:

  • Grenzen setzen: Eine gesunde Work-Life-Balance schützt vor Überlastung. Feste Feierabendzeiten und regelmässige freie Tage ohne berufliche Erreichbarkeit ermöglichen Ihnen Raum für Erholung.
  • Stressbewältigung: Techniken der Stressbewältigung wie Achtsamkeitsübungen, Meditation oder Atemtechniken helfen, den Umgang mit Belastungen zu verbessern.
  • Bewegung: Körperliche Aktivität baut Stresshormone ab und fördert das psychische Wohlbefinden. Bereits moderate Bewegung wie Spaziergänge, Velofahren oder Schwimmen zeigt eine positive Wirkung.
  • Soziale Kontakte: Pflegen Sie stabile Beziehungen zu Familie, Freunden und Freundinnen oder anderen Vertrauenspersonen. Der Austausch mit nahestehenden Menschen entlastet und stärkt Ihre innere Widerstandskraft.
  • Grenzen erkennen: Lernen Sie, Aufgaben abzugeben und Anfragen abzulehnen, wenn Ihre Kapazitäten erschöpft sind. Regelmässige Selbstreflexion hilft dabei, Frühwarnzeichen eines Burnouts wahrzunehmen.
  • Entspannung: Autogenes Training, Meditation oder Yoga senken nachweislich die innere Anspannung. Bereits kurze Übungseinheiten zeigen bei regelmässiger Anwendung eine spürbare Wirkung.
  • Professionelle Angebote: Nutzen Sie bei anhaltender Belastung oder nach einer überstandenen Erkrankung Rehabilitationsprogramme wie eine Burnout-Kur. Sie helfen Ihnen, neue Routinen zu festigen und langfristig stabil zu bleiben.

Bauen Sie sich ein persönliches Anti-Stress-Programm auf, das Sie in arbeitsintensiven Zeiten begleitet und schützt. Dazu gehören zum Beispiel feste Erholungsrituale, Bewegungseinheiten oder Entspannungsübungen – je nachdem, was Ihnen guttut. Auch in den Phasen der Heilung nach einem Burnout unterstützen diese Strategien Sie dabei, Ihre Stabilität langfristig zu sichern.

Ein Burnout lässt sich in vielen Fällen vermeiden, wenn Sie frühzeitig auf sich achten und Belastungen offen ansprechen. Auch als Angehöriger oder Angehörige eines Menschen mit Burnout leisten Sie durch Geduld und Verständnis einen wichtigen Beitrag. Nehmen Sie sich die Zeit, die Sie brauchen, und scheuen Sie sich nicht, Unterstützung in Anspruch zu nehmen.

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