Wie fühlt sich ein Burnout an und wo bekomme ich Hilfe? Welche körperlichen und psychischen Symptome treten auf? Was ist der Unterschied zu einer Depression? Erfahren Sie mehr über Ursachen, Behandlungswege und hilfreiche Tipps gegen Burnout.
Der Begriff Burnout («Ausbrennen») beschreibt einen Zustand tiefer emotionaler, körperlicher und geistiger Erschöpfung. Da Burnout keine eigenständige Erkrankung darstellt, ordnet die Weltgesundheitsorganisation (WHO) es in der Internationalen Klassifikation der Krankheiten (ICD-11) als berufsbezogenes Phänomen ein. Aus medizinischer Sicht gilt Burnout als Risikozustand. Hält der Stress über längere Zeit an und fehlt ausreichende Erholung, drohen psychische und körperliche Folgeerkrankungen. Dazu zählen unter anderem Depressionen, Angststörungen, Schlafstörungen oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen.
Gemäss der Schweizerischen Gesundheitsbefragung des Bundesamtes für Statistik (BFS) hat der Anteil gestresster Erwerbstätiger zwischen 2012 und 2022 von 18 auf 23% zugenommen. 25% der erwerbstätigen Frauen und 21% der Männer erleben an ihrem Arbeitsplatz dauerhaft Stress. Über die Hälfte dieser Personen – rund 53% – fühlt sich dabei emotional erschöpft. Überforderung und anhaltender Stress erhöhen das Risiko für ein Burnout erheblich.
Die Anzeichen für ein Burnout zeigen sich auf drei verschiedenen Ebenen: Körper, Psyche und geistige Leistungsfähigkeit. Die Betroffenen spüren zuerst körperliche Symptome, sie haben beispielsweise Schlafprobleme, weil die Gedanken nicht zur Ruhe kommen, oder Herzrasen. Diese Warnsignale werden oft verdrängt. Danach kommt die (emotionale) Erschöpfung. Schliesslich folgt der Zusammenbruch.
Chronischer Stress versetzt den Körper in einen dauerhaften Alarmzustand. Die körperlichen Symptome bei einem Burnout sind sehr unterschiedlich. Zu den häufig berichteten körperlichen Beschwerden zählen:
Neben körperlichen Beschwerden zeigt sich ein Burnout auch durch Symptome psychischer Erschöpfung. Diese hängen in der Regel vom Stadium der Belastung ab. Zu den häufig berichteten psychischen Beschwerden zählen:
Ein Burnout beeinträchtigt auch die geistige Leistungsfähigkeit. Betroffenen fallen alltägliche Denkprozesse zunehmend schwerer. Die kognitiven Einschränkungen nehmen mit der Dauer der Belastung zu und betreffen verschiedene Bereiche:
Die Symptome eines Burnouts betreffen grundsätzlich alle Geschlechter gleichermassen. Dennoch gibt es Unterschiede. Die ersten Anzeichen eines Burnouts bei Frauen werden meistens früher sichtbar, weil Frauen psychische Belastungen tendenziell häufiger ansprechen und eher Hilfe aufsuchen. Bei Männern bleiben die Symptome oft länger unerkannt. Tiefere Belastungswerte bei Männern bedeuten allerdings nicht zwingend eine geringere Belastung.
Ein Burnout entsteht nicht plötzlich. Es entwickelt sich als schleichender Prozess über Wochen bis Monate. In vielen Fällen werden die ersten Warnsignale ignoriert. Erst mit zunehmender Dauer verfestigen sich die Beschwerden. Der Prozess lässt sich in drei Phasen einteilen:
1. Erhöhte Stressbelastung: Nervosität, Reizbarkeit und Aufmerksamkeitsstörungen prägen den Alltag. Betroffene reagieren überaktiv (arbeiten länger) und zeigen erste vegetative Beschwerden. In dieser Phase bilden sich die Symptome des Burnouts bei längerer Erholung noch vollständig zurück.
2. Leichtes bis mittelschweres Burnout: Die Erschöpfung wird dauerhaft und die Erholungsfähigkeit nimmt deutlich ab. Betroffene ziehen sich sozial zurück, verlieren ihre Motivation und leiden unter anhaltenden Schlaf- und Konzentrationsstörungen.
3. Schweres Burnout mit klinischer Depression: Die Erschöpfung erreicht ein Ausmass, das den Alltag weitgehend einschränkt. Betroffene erleben Freud- und Interessenlosigkeit, ausgeprägte kognitive Einschränkungen und Hoffnungslosigkeit. In diesem Stadium führt ein Burnout häufig zu einem emotionalen Zusammenbruch. Die Symptome ähneln dann einer klinischen Depression. In manchen Fällen treten auch Suizidgedanken auf.
Die Stadien verlaufen nicht immer linear. Rückschritte, Überlappungen oder das Überspringen einzelner Phasen kommen vor.
Die Symptome von Depression und Burnout sind sehr ähnlich. Erschöpfung, Antriebslosigkeit, Schlafprobleme und sozialer Rückzug treten bei beiden auf. Der Unterschied zwischen Burnout und Depression liegt in der Belastungsquelle. Ein Burnout steht in direkter Verbindung mit chronischer Überlastung. Eine Depression betrifft dagegen alle Lebensbereiche und tritt auch ohne erkennbaren äusseren Auslöser auf. Ein unbehandeltes Burnout geht jedoch häufig in eine Depression über. Fachleute sprechen dann von einer Erschöpfungsdepression, deren Anzeichen sich kaum von einem schweren Burnout unterscheiden. Für eine zuverlässige Abgrenzung empfiehlt sich eine ärztliche oder psychotherapeutische Abklärung.
In vielen Fällen entsteht ein Burnout nicht nur durch beruflichen Stress. Meist wirken mehrere Faktoren über längere Zeit zusammen. Fachleute unterscheiden dabei zwischen äusseren Belastungen – etwa am Arbeitsplatz oder im familiären Umfeld – und persönlichen Risikofaktoren, die die Anfälligkeit für ein Burnout erhöhen.
Ein Burnout im Arbeitsumfeld entsteht besonders dort, wo ungünstige Arbeitsbedingungen über längere Zeit bestehen. Zu den zentralen äusseren Belastungsfaktoren zählen unter anderem:
Neben äusseren Belastungen beeinflussen auch individuelle Eigenschaften und Verhaltensmuster, wie anfällig jemand für ein Burnout ist. Bestimmte Persönlichkeitsmerkmale erhöhen die Wahrscheinlichkeit, in eine Erschöpfungsspirale zu geraten. Zu den relevanten persönlichen Risikofaktoren zählen:
Burnout entsteht nicht nur im beruflichen Umfeld. Auch dauerhafte Belastung durch Kinderbetreuung, Haushalt oder Pflege von Angehörigen kann zu grosser Erschöpfung führen. Laut der schweizerischen Arbeitskräfteerhebung (SAKE) des BFS verwenden Frauen in der Schweiz rund 61% ihrer gesamten Arbeitszeit für unbezahlte Haus- und Familienarbeit. In Paarhaushalten mit Kindern unter 7 Jahren leisten Mütter durchschnittlich 63 Stunden pro Woche – Väter rund 40 Stunden. Diese ungleiche Verteilung erklärt womöglich, warum gerade Mütter häufig von einem sogenannten «Mama-Burnout» betroffen sind. Die emotionale Erschöpfung bei einem Burnout im familiären Kontext ähnelt dabei dem berufsbezogenen Burnout. Betroffene fühlen sich leer, antriebslos und ihrem Alltag zunehmend entfremdet.
Wenn Sie sich als Elternteil dauerhaft erschöpft fühlen, wenden Sie sich an Ihren Hausarzt oder Ihre Hausärztin. Auch unsere Gesundheitsberatung unterstützt Sie gerne mit einer Beratung rund um das Thema Burnout.
Ein Burnout erkennen Ärztinnen und Ärzte in der Regel im Rahmen eines ausführlichen Gesprächs. Dabei stehen Fragen zu den aktuellen Beschwerden, zur beruflichen und privaten Situation sowie zur Dauer der Belastung im Mittelpunkt. Ergänzend setzen Fachpersonen bei einem Verdacht auf Burnout einen Stresstest ein – etwa in Form eines Fragebogens. Diese Einschätzung bildet die Grundlage für die weitere Abklärung und eine allfällige Behandlung.
Besonders wichtig ist der Ausschluss anderer Erkrankungen. Viele Burnout-Beschwerden ähneln den Anzeichen einer psychischen Erkrankung wie Depression oder Angststörung. Auch körperliche Ursachen kommen infrage. Neurologische Symptome bei einem Burnout – etwa Schwindel, Konzentrationsstörungen oder Taubheitsgefühle – treten ebenso bei Schilddrüsenerkrankungen oder neurologischen Störungen auf. Eine sorgfältige Differentialdiagnose schützt davor, eine behandelbare Grunderkrankung zu übersehen.
Benötigen Sie weitere Informationen, oder haben Sie Fragen zum Burnout? Unsere Gesundheitsberaterinnen und -berater helfen Ihnen gerne weiter.
Die Behandlung eines Burnouts richtet sich nach den individuellen Ursachen und dem Schweregrad der Beschwerden. Je früher Betroffene gegensteuern, desto günstiger verläuft die Erholung. Frühzeitiges Handeln verkürzt den Genesungsprozess und senkt das Risiko für Folgeerkrankungen.
Ein wichtiger erster Schritt ist das Gespräch mit Ihrem Hausarzt oder Ihrer Hausärztin. Dort besprechen Sie Ihre aktuelle Belastungssituation und mögliche Wege aus dem Burnout. In vielen Fällen verschafft eine Krankschreibung den nötigen Abstand zur belastenden Situation. Bei Bedarf erfolgt eine Überweisung an spezialisierte Fachpersonen. Je nach Schweregrad reichen die Massnahmen von selbstwirksamen Strategien im Alltag über ambulante Psychotherapie bis hin zu stationären Behandlungen in spezialisierten Kliniken.
Die ärztliche Psychotherapie ist von der Grundversicherung gedeckt. Dabei werden bis zu 40 Sitzungen übernommen. Auch die Kosten von selbstständigen Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten werden von der Grundversicherung übernommen, sofern die gesetzlichen Bedingungen dafür erfüllt sind. Vorgesehen sind für diese psychologische Psychotherapie 30 Sitzungen. Es braucht dafür eine ärztliche Verordnung. Diese ist für je maximal 15 Sitzungen gültig. Sollen die ärztliche oder die psychologische Psychotherapie nach den 40 respektive 30 Sitzungen fortgeführt werden, kann dies beantragt werden.
Eine allfällige Kostenübernahme aus der Zusatzversicherung TOP oder COMPLETA prüfen wir gerne, falls die Psychotherapeutin, der Psychotherapeut oder der Leistungsinhalt nicht die Voraussetzungen der Grundversicherung erfüllen.
Eine Psychotherapie ist ein zentraler Baustein zur Behandlung eines Burnouts. Je nach individueller Situation kommen verschiedene Verfahren zum Einsatz. Die kognitive Verhaltenstherapie hilft, belastende Denkmuster zu erkennen und neue Bewältigungsstrategien zu entwickeln. Tiefenpsychologische Verfahren setzen hingegen an den zugrunde liegenden Konflikten und biografischen Prägungen an. Ergänzend fliessen oft Elemente der Körpertherapie oder Entspannungsübungen in die Behandlung ein.
Neben der Psychotherapie nutzen viele Betroffene ein Burnout-Coaching als begleitende Massnahme. Ein Coaching unterstützt bei der beruflichen Neuorientierung, der Anpassung des Lebensstils und der Stärkung persönlicher Ressourcen.
Wichtig: Ein Coaching eignet sich vor allem in frühen Stadien des Burnouts oder als Ergänzung zur Therapie. Bei ausgeprägten psychischen Beschwerden oder Suizidgedanken ersetzt es keine fundierte psychotherapeutische Behandlung.
Ein Aufenthalt in einer Klinik ist sinnvoll, wenn ambulante Massnahmen nicht ausreichen oder schwere Begleiterkrankungen vorliegen. Während der stationären Behandlung erhalten Burnout-Betroffene ein strukturiertes Therapieprogramm, das verschiedene Bausteine verbindet. Neben psychotherapeutischen Einzel- und Gruppengesprächen lernen Betroffene dort Verfahren wie progressive Muskelentspannung oder autogenes Training. Auch Bewegungstherapie und kreativtherapeutische Angebote gehören in vielen Einrichtungen zum Behandlungskonzept.
Ergänzend setzen Fachpersonen in manchen Fällen Medikamente bei einem Burnout ein. Diese richten sich nicht gegen das Burnout selbst, sondern gegen begleitende Beschwerden wie Depression oder Schlafstörungen.
Die Dauer der Therapie ist sehr individuell. Sie hängt vom Schweregrad, von der persönlichen Situation und vom Zeitpunkt der ersten Behandlung ab. Wer trotz eines Burnouts weiterhin arbeiten geht, verhindert die notwendige Erholungsphase. Auch die Regeneration des Gehirns nach einem Burnout – insbesondere von Konzentration und Gedächtnisleistung – braucht Zeit.
Für den Wiedereinstieg ins Berufsleben empfiehlt sich eine schrittweise Eingliederung mit angepasstem Pensum. Die Belastbarkeit und die Anforderungen sollen in kleinen Schritten und langsam gesteigert werden. Nach einem Burnout sind viele Betroffene nicht mehr so belastbar wie zuvor. Das ist normal und kein Zeichen von Versagen. Strukturelle Veränderungen im Berufsalltag und im privaten Umfeld senken das Rückfallrisiko und tragen zu einer stabilen Erholung bei.
Menschen mit ADHS oder Autismus tragen ein erhöhtes Risiko für ein neurodivergentes Burnout. Bei ADHS begünstigen eine verminderte Stresstoleranz, Reizüberflutung und Schwierigkeiten bei der Selbstregulation die Erschöpfung. Typische ADHS-bedingte Burnout-Symptome wie Konzentrationsverlust, emotionale Überreaktionen und Vergesslichkeit verstärken sich unter Dauerstress deutlich. Hinzu kommt der Energieaufwand für sogenanntes Masking – also das ständige Anpassen an neurotypische Erwartungen.
Beim autistischen Burnout unterscheiden sich die Symptome vom klassischen berufsbezogenen Burnout. Betroffene erleben chronische Erschöpfung, einen Verlust zuvor vorhandener Fähigkeiten sowie eine stark reduzierte Reiztoleranz. Die Behandlung eines autistischen Burnouts setzt nicht primär auf klassische Stressbewältigung. Stattdessen stehen die Reduktion von Anpassungsdruck und eine Begleitung, die Neurodivergenz als Teil der Persönlichkeit anerkennt, im Vordergrund.
Da Stress und Burnout eng zusammenhängen, profitieren Sie besonders davon, Belastungen frühzeitig zu erkennen. Die folgenden Strategien unterstützen Sie sowohl bei der Vorbeugung als auch dabei, ein Burnout selbst zu behandeln und Ihre Erholung im Alltag zu stärken:
Bauen Sie sich ein persönliches Anti-Stress-Programm auf, das Sie in arbeitsintensiven Zeiten begleitet und schützt. Dazu gehören zum Beispiel feste Erholungsrituale, Bewegungseinheiten oder Entspannungsübungen – je nachdem, was Ihnen guttut. Auch in den Phasen der Heilung nach einem Burnout unterstützen diese Strategien Sie dabei, Ihre Stabilität langfristig zu sichern.
Ein Burnout lässt sich in vielen Fällen vermeiden, wenn Sie frühzeitig auf sich achten und Belastungen offen ansprechen. Auch als Angehöriger oder Angehörige eines Menschen mit Burnout leisten Sie durch Geduld und Verständnis einen wichtigen Beitrag. Nehmen Sie sich die Zeit, die Sie brauchen, und scheuen Sie sich nicht, Unterstützung in Anspruch zu nehmen.
Die Expertin stand dem Redaktionsteam bei diesem Artikel beratend zur Seite. Monika Fäh Rüegg ist Pflegefachfrau HF Psychiatrie, Systemische Mentaltrainerin und hat eine Ausbildung in sinnzentrierter Beratung nach Viktor Frankl. Die Expertin arbeitet im Case Management bei Helsana.
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